Erfahrungsbericht zur Angst-Panik-Verhaltenstherapie | therapie.de (2023)

Erfahrungsberichte „Die Therapie hat mir geholfen“ (Seite 3/11)

Erfahrungsbericht von Christina, 23 Jahre alt, aus München, Therapieart: Verhaltenstherapie

therapie.de: Was war der Grund für den Therapiebeginn? Wie sind Sie zur Therapie gekommen?

Vor zwei Jahren bin ich aus Rumänien nach Deutschland gekommen und habe hier einen neuen Job begonnen. Dort war ich für den Einsatz von 400 Mitarbeitern verantwortlich. Ich hatte viel Verantwortung und musste viel arbeiten. Zudem war die Arbeit oft stressig und hektisch. Hinzu kam die Veränderung durch das Leben in einem anderen Land, wo ich völlig alleine war und alles alleine organisieren musste.

Dann bekam ich plötzlich Angst. Am Anfang passierte es immer wieder, dass meine Hände zitterten und mein Herz schneller schlug. Bis Februar 2012 hatte ich es noch im Griff. Aber plötzlich hatte ich echte Panikattacken. Anfangs war es sporadisch, aber nach ein paar Monaten wurde es allmählich schlimmer.

Im September 2012 ging es bei der Arbeit besonders hektisch zu. Dann passierte es, dass ich ohnmächtig wurde. Mir war sehr schwindelig und ich zitterte stark. Die Angst war in dieser Zeit so stark, dass ich das Haus kaum verlassen konnte. Einkaufen oder ein Restaurantbesuch war für mich unmöglich. Und es kam vor, dass ich vor Situationen davonlief, in denen die Angst zu groß war und ich sie nicht mehr ertragen konnte.

Mein Hausarzt hat mich krankgeschrieben. Zum Glück hat sie mir auch dabei geholfen, einen Psychotherapeuten zu finden. Ich musste eine Weile auf die Therapie warten und war sehr froh, als ich endlich beginnen konnte.

therapie.de:Was für eine Therapie haben Sie gemacht? Wie lange dauerte die Therapie und wie oft fanden die Treffen statt?

Es war Verhaltenstherapie. Es startete im September 2012 und läuft mittlerweile mindestens 25 Stunden. Die Treffen finden einmal pro Woche oder alle zwei Wochen statt, je nachdem, wie meine Arbeit es mir erlaubt, sie zu organisieren.

therapie.de:Wie verlief die Therapie? Was wurde da gemacht?

Am Anfang verschrieb mir der Therapeut zunächst Medikamente, um meine Angst zu lindern. Es war ein Antidepressivum, das auch bei Angstzuständen hilft, nämlich Paroxetin. Zuerst bemerkte ich erhebliche Nebenwirkungen: Ich habe fast nur geschlafen und hatte keinen Appetit. Aber nach etwa zwei Wochen besserten sich die Nebenwirkungen und dann begann ich, die Wirkung zu spüren.

Aber es war mir auch wichtig, während der Therapie über meine Probleme sprechen zu können. Es ging um die Schwierigkeiten am Arbeitsplatz, meinen Umzug nach Deutschland, aber auch um die Vergangenheit, zum Beispiel Probleme mit meinen Eltern. All dies trug letztendlich zu meiner Angst bei – alles war wie ein Glas, das ständig gefüllt wurde und schließlich überlief.

Zu Beginn des Unterrichts erzähle ich meist über die vergangene Woche: alles, was passiert ist, was für mich schwierig war, aber auch welche Fortschritte ich gemacht habe. Dann haben wir gemeinsam geschaut, was ich tun kann, um meine Angst zu überwinden. Der Therapeut ermutigte mich, nach und nach wieder den Dingen nachzugehen, die ich früher getan hatte, wie Einkaufen oder Kontakte knüpfen. Am Anfang war es für mich schwierig, ich konnte zum Beispiel nur für sehr kurze Zeit in einen Supermarkt gehen und ein oder zwei Dinge kaufen. Nach und nach erweiterte ich die Übungen immer mehr. Für mich war es gut, dass ich selbst entscheiden konnte, was ich testen wollte und wie lange ich in einer Situation bleiben würde.

Der Therapeut gab mir auch konkrete Tipps und stellte mir konkrete Aufgaben. Ich sollte zum Beispiel viel Sport treiben, weil das sehr gegen Angstzustände hilft. Oder vielleicht sollte ich für nächste Woche etwas Bestimmtes erledigen, zum Beispiel meine Rechnungen erledigen, die schon eine Weile auf dem Tisch liegen.

therapie.de:Inwiefern hat Ihnen die Therapie geholfen? Was haben Sie besonders nützlich gefunden?

Die Therapie hat mir vor allem geholfen, mehr Selbstvertrauen aufzubauen. Zu Beginn der Therapie war es absolut niederschmetternd. Der Therapeut hat mich immer ermutigt und mir das Gefühl gegeben, dass ich etwas bewirken kann. Nach den Therapiesitzungen war ich immer voller Optimismus und glaubte daran, dass ich es schaffen würde.

Der Therapeut motivierte mich auch dazu, Neues auszuprobieren und Dinge in Angriff zu nehmen, die ich vorher nie gewagt hätte. Irgendwann bin ich zum Beispiel zu meinem Arbeitgeber gegangen und habe ihm gesagt, dass es so nicht weitergehen kann und dass ich dieser hohen Arbeitsbelastung nicht gewachsen bin. Für mich war es ein großes Erfolgserlebnis.

Die ersten kleinen Erfolge haben mich ermutigt, weiter zu üben und mich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen. Mit der Zeit habe ich gelernt, wieder positiver zu denken und mich selbst positiver zu sehen. Gut war auch, dass der Therapeut mich ermutigt hat, das zu tun, was ich will und was mir gut tut. Früher habe ich Dinge oft aus Rücksicht auf andere getan, ohne an mich selbst zu denken.

Aus Interesse kaufte ich schließlich ein paar Zeitschriften, die sich mit dem Gehirn, menschlichem Verhalten und psychischer Gesundheit befassten. Dadurch konnte ich besser verstehen, woher Ängste und Panikattacken kommen können. Es hat mir auch geholfen: Ich habe die Auslöser meiner eigenen Ängste besser verstanden und gesehen, wie ich etwas daran ändern kann.

therapie.de:Wie war Ihr Verhältnis zum Therapeuten? Was war das Besondere am Verhalten des Therapeuten?

Die Therapeutin strahlte vor allem Ruhe aus und hörte mir zu. Ich habe mich in der Therapie wohl gefühlt, es gab nie ein Gefühl von Distanz, sondern immer von Nähe.

Auch der Therapeut hat mir immer Mut gemacht und mir geholfen, auch schwierige Situationen zu meistern. Wenn ich also mit dem Manager spreche, sollte ich mir vorstellen, dass er (der Therapeut) neben mir steht und mich unterstützt. Er hat mir auch ganz konkrete Tipps und Unterstützung gegeben, etwa was ich gegen meine Angst tun kann oder wie ich ein konkretes Problem lösen könnte.

Aber manchmal war er streng und „schimpfte“ mit mir. Ich kam zum Beispiel mehrmals zu spät zur Therapie. Wir haben dann herausgefunden, dass es mir oft schwerfällt, Verpflichtungen einzuhalten. Er sagte mir, dass er mein Verhalten nicht für hilfreich für die Therapie halte – aber auch, dass es in meiner eigenen Hand liege und ich selbst entscheiden müsse, wie ich mich verhalten wolle.

therapie.de:Was war Ihnen (in Bezug auf Ihre Einstellung, Ihr Verhalten) für die Therapie wichtig?

Ich denke, es war wichtig, dass ich nach und nach immer mehr Dinge tat, die früher Angst und Panik auslösten. Ich habe auch schwierige Situationen erlebt. Es fiel mir zum Beispiel sehr schwer, wenn ich in der U-Bahn fuhr und das Gefühl hatte, dass die Leute mich ansahen. Dann zwang ich mich, sie bewusst anzusehen. Es war schwer, aber nachdem ich es getan hatte, gab es mir mehr Mut und Selbstvertrauen.

therapie.de:Gab es schwierige Situationen während der Therapie?

Es gab wirklich keine schwierigen Situationen. Aber es gibt immer Phasen, in denen es mir besser oder schlechter geht. Einige Wochen lang dachte ich: „Es gefällt mir nicht mehr. Ich möchte nur, dass die Angst verschwindet.“ Aber mit der Zeit wurden die schlechten Zeiten immer weniger schlimm und die Tiefpunkte wurden immer weniger tief.

Manchmal habe ich auch einen schlechten Tag, an dem wieder mehr Ängste auftauchen. Ich war zum Beispiel in einem Restaurant und hatte plötzlich das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen. Aber ich renne jetzt nicht mehr. Ich weiß, dass nichts Schlimmes passieren wird und ich habe das Gefühl, die Angst unter Kontrolle zu haben.

therapie.de: Was hat sich seitdem verbessert?

Ich bin jetzt fast der Mensch, der ich früher war, und kann die meisten Dinge tun, die ich früher getan habe. Bevor die Ängste begannen, gefiel mir der Umgang mit Menschen sehr, was für eine Weile nicht mehr möglich war. Jetzt geht es mir allmählich besser, ich knüpfe mehr Kontakte und sehe öfter Freunde.

therapie.de:Was tun Sie jetzt, um sich weiterhin gut oder besser zu fühlen?

Im Moment geht es mir gut, aber es ist mir wichtig, weiterhin in der Therapie mit meinen Ängsten zu arbeiten. Es gibt zum Beispiel immer noch Dinge, die ich ignoriere, weil ich Angst davor habe oder weil sie mich stressen. Ich möchte so etwas Schritt für Schritt angehen und üben, bis ich keine Angst mehr habe.

Alles in allem bin ich sehr froh, dass ich mich für eine Therapie entschieden habe. Ich kann diesen Schritt jedem mit ähnlichen Problemen wärmstens empfehlen, da er wirklich hilft.

Gesprächspartner: Dr. Christine Amrhein

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Dörthe, 43, EMDR-Therapie

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FAQs

Was ist die beste Therapie bei Angststörung? ›

Psychotherapie. Die am besten wirksame Psychotherapie zur Behandlung von Angsterkrankungen ist die kognitive Verhaltenstherapie. In dieser lernt der Patient zu verstehen, welche Denkabläufe seiner Angst zugrunde liegen oder diese verstärken.

Wie lange dauert eine Therapie bei Angstzuständen? ›

In der Regel finden ein bis zwei Therapiesitzungen in der Woche statt, die etwa eine Stunde dauern. Die Behandlung kann sich über einen Zeitraum von zehn bis 20 Wochen erstrecken.

Wie schnell wirkt Verhaltenstherapie? ›

Erste positive Effekte der Behandlung merken viele bereits nach einigen Tagen. Bis die akute Phase allerdings überstanden ist, vergehen etwa sechs bis zwölf Wochen. Damit ist die Therapie aber noch nicht vorbei. Es macht auf jeden Fall Sinn, über diesen Zeitraum hinaus die Behandlung weiter zu führen.

Wird man eine Angststörung wieder los? ›

Eine ausgeprägte Angststörung kann sehr hartnäckig sein. Es dauert häufig viele Monate oder Jahre, bis sie überwunden ist. Bis dahin erleben Betroffene aber auch Phasen mit weniger starker Angst. In einer Studie hatte nach zwei Jahren etwa jeder vierte Betroffene die Angststörung überwunden.

Was sollte man bei Angststörung vermeiden? ›

Vermeidung minimieren: Menschen mit Angststörungen sollten dem Druck möglichst widerstehen, Orte und Situationen zu meiden, an denen sie bereits Angsterfahrungen gemacht haben. Angstauslösende Situationen nicht zu vermeiden, ist auch Bestandteil einer Psychotherapie.

Kann man mit einer Angststörung normal leben? ›

Eine generalisierte Angststörung kann das Leben stark einschränken – oft über längere Zeit. Es gibt aber verschiedene Methoden, mit denen man lernen kann, die Angst in den Griff zu bekommen und wieder ein normales Leben zu führen. Auch bestimmte Medikamente können helfen.

Was passiert wenn eine Angststörung nicht therapiert wird? ›

Ohne Therapie chronifiziert Angst

Wenn jemand erst einmal ausgeprägte Ängste entwickelt hat, verschwinden diese meist nicht einfach wieder von alleine. Das bedeutet, dass die meisten Angsterkrankungen ohne Behandlung chronisch verlaufen und oft über Jahre oder Jahrzehnte bestehen bleiben.

Ist Angst und Panik heilbar? ›

Wer seine Agoraphobie und/oder Panikstörung behandeln lässt, hat gute Chancen auf Heilung. Folgende Behandlungen kommen dafür in Frage: kognitive Verhaltenstherapie, eine Form der Psychotherapie. medikamentöse Therapie mit Antidepressiva.

Welcher Sport gegen Angst und Panik? ›

“Ausdauern statt Auspowern” Moderates Training ist die beste Therapie zum Stressabbau. Intensives Training eignet sich nicht, da es genauso belastend wie Stress selber ist. Besonders gut eignen sich Laufen, Yoga und Pilates für den Stressabbau.

Was wird an der Verhaltenstherapie kritisiert? ›

Einige Kritiker der Verhaltenstherapie meinen, die Methoden seien häufig zu früh zu stark. In der Verhaltenstherapie gibt es sanftere Methoden. Diese unterscheiden sich für Laien kaum von einer Gesprächstherapie. Es gibt jedoch auch Methoden, bei denen die Patienten stark belastet werden.

Ist Verhaltenstherapie anstrengend? ›

Verhaltenstherapie ist anstrengend und Veränderung kann Angst machen. Gedanken, Gefühle und Handlungen zu verändern erfordert Motivation und kostet Mühe, auch wenn diese Gedanken, Gefühle und Handlungen unangenehm, unerwünscht und krank machend sind.

Wie erfolgreich ist Verhaltenstherapie? ›

Die Verhaltenstherapie hat eine hohe Erfolgsquote gerade bei der Behandlung von Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen sowie Suchterkrankungen. Sie kann aber auch bei körperlichen Erkrankungen wie chronischen Schmerzen helfen, um mit den Beschwerden besser zurechtzukommen.

Welcher Mangel löst Angstzustände aus? ›

Mögliche körperliche Ursachen sind Schilddrüsenfehlfunktionen, Vitamin-B1-Mangel, Lebererkrankungen oder ein gestörter Kalziumhaushalt. Auch die Einnahme bestimmter Medikamente, wie Schilddrüsenpräparate, Antidepressiva, Antihistaminika oder Herz-Kreislauf-Mittel steckt manchmal hinter einer Panikattacke.

Welchen Punkt drücken bei Panikattacken? ›

Er liegt auf der Beugefalte des Handgelenks, seitlich der tastbaren Sehne des Handbeugemuskels und ist meist leicht druckempfindlich. Eine kräftige, kreisende Massage des Punkts mit dem Daumen oder dem Zeigefinger wirkt stark beruhigend auf die Seele und hilft sogar bei Panikattacken.

Kann man eine Angststörung heilen? ›

Grundsätzlich ist eine generalisierte Angststörung heilbar. Die Behandlungsdauer kann sich jedoch über einen langen Zeitraum erstrecken. Für eine erfolgreiche Therapie muss ein individueller Behandlungsplan und die Motivation zur Besserung des/der Patient*in gegeben ein.

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Author: Duncan Muller

Last Updated: 12/01/2023

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Name: Duncan Muller

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